Wie du besser mit Angst umgehst und dich auf eine Sache konzentrierst

Liebe Leserin und lieber Leser,

jeder Existenzgründer und jede Existenzgründerin wird ihr früher oder später begegnen: der Angst. Sie kommt in vielfältigen Formen.

Vor der Gründung äußert sie sich in Fragen wie: „Wird meine Geschäftsidee erfolgreich sein?“, „Was mache ich, wenn mein Konzept nicht aufgeht?“, „Wie wird mein Umfeld reagieren?“, „Soll ich es wirklich wagen?“, „Wäre es finanziell nicht sinnvoller in einer Festanstellung zu bleiben, auch wenn ich diese nicht leiden kann?“.

Nach der Gründung tauchen weitere Fragen auf: „Arbeite ich genügend?“, „Wie setze ich mir realistische Ziele?“, „Wie motiviere ich mich selbst?“, „Ich erreiche nur einen Teil meines Planes, warum?“.


Ängste kreativ nutzen

Ängste sind natürlich und gut. Sie besitzen ein kreatives Potenzial. Sie geben uns die Möglichkeit vorauszuplanen und Szenarien zu entwerfen. Sie können uns helfen.

Ängste können uns aber auch lähmen, wenn sie sich Gewitterwolken gleich am Himmel zusammenziehen und den letzten Lichtstrahl verdrängen. Plötzlich fühlen wir uns wie ein Schiffbrüchiger, der sich krampfhaft an eine Planke klammert und die endlos blaue Weite des Horizonts verzweifelt nach einem Küstenstreifen absucht. Jede Hoffnung scheint verloren.

Ängste sind Gefühle. Sie besitzen einen Bezug zur Realität. Es gibt eine gewisse statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie eintreten. Mal ist sie höher, mal niedriger. Das hilft den Betroffenen allerdings wenig, um besser mit ihrer Angst umzugehen.

Wer der festen Überzeugung ist, dass das Ende der Welt bevorsteht, wird sich auch mit rationalen Argumenten nicht von seiner Ansicht abbringen lassen. Er wird all die Fakten nennen, die seine Perspektive bestätigen. Gegenargumente wird er ausklammern oder verwerfen.

Optimist, Pessimist oder einfach dankbar?

Die menschliche Sichtweise ist oft von einer dualen Perspektive geprägt. Das äußert sich besonders anschaulich in der Geschichte vom Wasserglas, das zur Hälfte gefüllt ist. Der Optimist sagt halbvoll, der Pessimist sagt halbleer. Sind das die einzig möglichen Sichtweisen? Sicherlich nicht. Trotzdem haben wir diesen Gegensatz verinnerlicht. Wir denken nahezu ausschließlich in Schwarz-Weiß-Perspektiven. Gut oder böse, halbleer oder halbvoll, alles oder nichts, erfolgreich oder erfolglos. Dabei spielt sich der größte Teil des Lebens in der Grauzone zwischen den Schwarz-Weiß-Extremen ab. Wäre es nicht einfach möglich, dankbar dafür zu sein, ein Glas und Wasser zu haben, anstatt sofort beurteilen zu müssen, wie viel unserer Ansicht nach darin enthalten ist?

Nutze deine Ängste

Können wir auch für unsere Ängste dankbar sein? Durchaus. Ängste bieten uns die Möglichkeit zu lernen. Wir können lernen mit ihnen besser umzugehen und sie zu nutzen. Der erste Schritt dazu ist, dass wir unsere Ängste aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Eine gute Übung dazu ist die sogenannte Tick-Tack-Methode, die dem Pendel einer Uhr nachempfunden ist.

1. Nimm ein Blatt Papier. Ziehe einen senkrechten Strich in der Mitte. Schreibe auf die linke Seite „Tick“, schreibe auf die rechte Seite „Tack“.

2. Notiere unter „Tick“ deine Ängste, Probleme, Sorgen und negativen Gedanken. Zum Beispiel: Was mache ich, wenn mein Geschäftsmodell nicht funktioniert und ich zu wenig Kunden bekomme?

3. Betrachte nun deine aufgeschriebenen Ängste und Probleme. Nimm dir Zeit. Untersuche, ob deine Ängste und Probleme irrationale Bestandteile besitzen und sich beispielsweise nur auf negative Aspekte konzentrieren und dadurch deine Sichtweise verzerren.

4. Wechsel nun zur „Tack“-Seite. Ersetze jede subjektive, negative Äußerung der „Tick“-Seite durch einen objektiven, positiven Gedanken, den du auf der „Tack“-Seite notierst.

Zum Beispiel: Mein Geschäftsmodell XY ist bereits erfolgreich umgesetzt worden. Laut Branchenverband gibt es folgende aktuelle Wirtschaftszahlen dazu. In meiner Stadt/Region kommen folgende Kunden in Frage. Mein Ansatz unterscheidet sich von der Konkurrenz durch folgendes Merkmal.

5. Vergleiche dein Ängste („Tick“) mit den objektiven Antworten („Tack“). Schau dir bei „Tick“ an, welcher Bestandteil dir am meisten Angst macht und am dringlichsten erscheint. Schau dir deine objektiven Angaben dazu bei „Tack“ an und was sich passend dazu sofort umsetzen lässt. Setze es sofort um.

Eine tägliche Tätigkeit

Ich hoffe, liebe Leserin und lieber Leser, dass ich dich mit dem heutigen Thema nicht zu sehr verschreckt habe. Ängste sind kein schönes Gefühl. Aber ebenso wie man aus Fehlern lernt, auch wenn sie nicht angenehm sind, besitzen Ängste ein unglaubliches Potenzial, das es zu entdecken gilt.

Der wichtigste Aspekt – im Leben wie im Unternehmertum – ist jedoch das regelmäßige Üben. Wähle eine Tätigkeit aus, die du jeden Morgen umsetzt. Wirklich jeden Tag. Das kann eine Meditation sein, das Umsetzen der Tick-Tack-Methode, um dich auf dringende Aufgaben zu konzentrieren oder einfach das Aufschreiben von fünf Dingen, für die du dankbar bist.

Starte mit dieser Tätigkeit in deinen Tag und mach sie zu deiner Gewohnheit. Beobachte wie sich dein Leben durch eine einzige Routine langsam verändert. Ich meditiere jeden Morgen für einige Minuten. Dafür wurde ich mit zahlreichen Ideen belohnt. Nicht alle sind grandios, aber dennoch eine wertvolle und bereichernde Erfahrung. Mich hat meine tägliche Meditation zur Idee für meine Talente-Cards und Werte-Cards inspiriert (Mehr dazu erfährst du hier: www.werte-cards.de). Die Karten haben mir bewusst gemacht, welche Werte, für mich entscheidend sind: Zeit und Konzentration.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren und Entwickeln deiner täglichen Routine. Du wirst überrascht sein, zu welchen Ergebnissen sie dich führt.

Viele Grüße
Volker

Zur Person:

Volker Baars (54) ist seit 16 Jahren als Unternehmer erfolgreich selbstständig tätig. Er gründete die Garantieschwimmschule Volker Baars und entwickelte eine besondere Methode, mit der Kinder und Erwachsene das Schwimmen innerhalb weniger Stunden erlernen. Rund 7.000 Kinder haben bis heute bei ihm schwimmen gelernt.

http://www.trotz-erziehung-erfolgreich.de/

Zusätzlich ist der diplomierte Sport-Lehrer (Schwerpunkt Sportwissenschaft und Sportpsychologie) als Coach, Redner und Autor tätig. 2016 erschien sein Buch „Trotz Erziehung erfolgreich“, in dem er seine Erfahrungen als selbstständiger Unternehmer mit allen Höhen und Tiefen beschreibt und sich vor allem mit der Auflösung negativer Glaubenssätzen beschäftigt.

Im Dezember 2017 wird Volker Baars ein sechstägiges Existenzgründer-Seminar auf Lanzarote im Vier-Sterne-Hotel veranstalten. Weitere Infos inklusive Frühbucher-Rabatt bis 1. September 2017 gibt es unter www.urlaubs-seminare.com.

http://urlaubs-seminare.de/

Wann es Zeit wird, bei deiner Geschäfts-Idee den Stecker zu ziehen

Liebe Leserin und lieber Leser,

sobald du in die Selbstständigkeit startest, wirst du ihnen mit einer gewissen Regelmäßigkeit begegnen. So wie es Gezeiten und Jahreszeiten gibt, werden auch sie immer wieder auf dich zukommen: Durststrecken. In den unterschiedlichsten Formen. Planungen lassen sich nicht wie gewünscht realisieren, Hindernisse treten auf, Entwicklungen verzögern sich.

Das fängt bei kleinen Dingen an, wie zum Beispiel der zeitnahen Veröffentlichung eines Blog-Beitrags, und reicht bis zu großen, kräftezehrenden Herausforderungen, die ein intensives Handeln erfordern. In solchen Phasen ist es wichtig, dass deine Selbstständigkeit mit deinen Werten, Talenten und Neigungen übereinstimmt.

Willst du dich tierisch verbiegen?

Ich werde immer wieder gefragt, ob es nicht sinnvoller ist, sich eine selbstständige Tätigkeit zu suchen, die vielleicht nicht unbedingt den eigenen Werten entspricht, aber finanziell wesentlich lukrativer erscheint. Aus meiner Erfahrung kann ich davon nur abraten. Wenn du dich erst tierisch verbiegen musst, um deine selbstständige Tätigkeit auch in Krisenzeiten fortzuführen, dann wirst du wiederkehrende Durststrecken auf Dauer nicht bewältigen können. Deshalb sind deine Werte enorm wichtig. Wie du deine Werte ermitteln kannst, habe ich in der zweiten Folge meiner Blog-Serie beschrieben. Du kannst es hier nachlesen.

In der dritten Folge verrate ich dir heute, was du tun kannst, wenn deine Produkt- oder Dienstleistungs-Idee keine Interessenten findet, wie du Geschäfts-Ideen besser an deine Zielgruppe anpasst und wann es an der Zeit ist, bei einer Idee den Stecker zu ziehen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

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Kannst du die Realität akzeptieren?

Für die Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer gibt es drei Grundwerte, die meiner Ansicht nach entscheidend sind. Es sind Eigenschaften und Fähigkeiten, die altbacken klingen mögen, die aber auch in Zukunft ihre Gültigkeit behalten werden. Diese Grundwerte sind Disziplin, Ausdauer und die Akzeptanz der Realität.

Was ich damit meine? Stell dir folgende Entwicklung vor: Du hast dein Produkt oder deine Dienstleistung an deiner Zielgruppe getestet. Das Feedback war positiv. Du hast dir einen Starttermin gesetzt und hast dein Produkt auf den Markt gebracht. Dein Ziel ist es, im ersten Monat 3.000 Euro mit deiner Geschäfts-Idee einzunehmen. Nach dem zweiten Monat haben deine Einnahmen noch immer keine signifikante Höhe erreicht. Du hast ausdauernd und diszipliniert für dein Produkt gerackert. Der erwartete Erfolg ist jedoch ausgeblieben.

Was kannst du jetzt tun?

Ein Grund für den mangelnden Erfolg könnte sein, dass das Design deines Produktes oder deine Dienstleistung noch nicht vollständig ist. Möglicherweise hast du Schlüsselpartner vergessen oder du bist von falschen Annahmen ausgegangen. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, wenn du dir eine Auszeit nimmst, und das Design und Konzept deines Produktes schrittweise durchgehst. In welchen Bereichen könntest du Optimierungen vornehmen, wie lässt sich eine gesteigerte Nachfrage erzeugen, welche Marketingmaßnahmen könntest du zusätzlich nutzen?

Was ist deine große und neue Geschäfts-Idee?

Zudem solltest du dich fragen, was der große und neue Aspekt deiner Geschäfts-Idee ist. Was macht dein Produkt und deine Dienstleistung einmalig? Idealerweise solltest du dir diese Frage natürlich schon vor dem Beginn deiner Selbstständigkeit gestellt haben. Arbeite mithilfe dieser Frage dein Design durch. Kontaktiere deine bisherigen Kunden, insofern dies möglich ist, frage sie, was ihnen an deinem Produkt gefallen hat und was nicht. Nimm das Feedback mit in deine Überlegungen auf. Entscheide dich für Veränderungen und setze sie zeitnah um. Lege zudem ein zeitliches Limit für deine weitere selbstständige Tätigkeit fest, beispielsweise ein bis drei Monate.

Jetzt wird es Zeit, den Stecker zu ziehen

Falls du trotz deiner Design-Veränderungen bis dahin deine Einnahmen nicht signifikant steigern und mindestens 2.000 Euro pro Monat erreichen konntest, dann gehe noch einmal deine Zahlen durch. Betrachte deine Einnahmen und Ausgaben. Schau dir an, wie das prozentuale Wachstum deiner Geschäfts-Idee über die Monate verlaufen ist. Wenn die Zahlen keine Wende erkennen lassen, dann zieh den Stecker. Das mag schmerzhaft sein. Aber was soll dir eine Geschäfts-Idee bringen, die dich frustriert und letztlich nur Geld kostet. Die Grundlage einer erfolgreichen Selbstständigkeit sind die Einnahmen. Einnahmen lassen sich messen. Orientiere dich bei deiner Entscheidung an der Realität. Orientiere dich an nüchternen Zahlen und Fakten. Viele Leute verweigern sich der Realität. Sie setzen auf Hoffnungen und Träume. Vielleicht kommt ja doch noch der Umschwung, vielleicht wird alles besser. Für eine erfolgreiche Selbstständigkeit ist eine solche Haltung kontraproduktiv.

Wie du das Beste aus einer erfolglosen Geschäfts-Idee machst

Zieh den Stecker bei deinem Produkt. Schau dir an, welche Teilbereiche möglicherweise gut gelaufen sind und funktioniert haben. Lässt sich eventuell daraus eine Geschäft-Idee entwickeln? Was wäre der große, neue Aspekt dabei? Kontaktiere deine Kunden und frage sie, wie wichtig dieser Teilbereich für sie ist und was er ihnen wert wäre.

An deiner Geschäfts-Idee hat überhaupt nichts wirklich gut funktioniert und du hattest auch keine Kunden? Dann wähle den umgekehrten Ansatz. Kontaktiere potenzielle Kunden und frage, in welchem Bereich sie Unterstützung gebrauchen könnten? Ermittle, welche gemeinsamen Bedürfnisse sie haben. Frage sie, was am wertvollsten für sie wäre und welchen Betrag sie dafür im Jahr ausgeben würden?

Eine schlechte Geschäfts-Idee ist keine Schande

Über diesen Ansatz kannst du ermitteln, ob zumindest eine gewisse Nachfrage besteht. Denn manchmal finden Geschäfts-Ideen einfach keine Kundschaft oder sind schlichtweg schlecht. Das ist keine Schande.

Die Fähigkeit, die Realität zu akzeptieren und sich einzugestehen, dass etwas nicht geklappt hat, ist eine wichtige Erfahrung und Eigenschaft, um erfolgreich selbstständig zu sein und die eigenen Werte beruflich passend umsetzen zu können.

Schließlich soll deine selbstständige Tätigkeit erfüllend und nicht frustrierend sein.

In der vierten Folge meiner Blog-Serie werde ich dir verraten, wie du Teilbereiche deiner Selbstständigkeit auslagerst und dich nicht mit zu vielen Aufgaben überlastest. Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche.

Viele Grüße
Volker

Wie ich für einen Tippfehler meinen Job hinschmiss

Liebe Leserin und lieber Leser,

herzlich willkommen zur ersten Folge meiner zehnteiligen Blog-Serie. Heute erzähle ich dir, wie mich ein besonderes Gefühl in meiner Selbstständigkeit unterstützt hat. Am Ende des Artikels präsentiere ich dir außerdem zwei Anregungen, mit denen du den ersten Schritt in Richtung deiner Selbstständigkeit unternehmen kannst. Viel Spaß beim Lesen!

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Ein Jahr lang habe ich mich abgequält. Tag für Tag. Obwohl mir meine Arbeit keinen Spaß mehr machte. Trotzdem ging ich jeden Morgen ins Büro. Davor spielte sich meist die gleiche Szene ab. Ich sagte zu meiner Frau: „Das ist so frustrierend. Ich gehe da nicht mehr hin.“ Ihre Antwort kannte ich schon. Sie kam mit der gleichen Regelmäßigkeit wie meine Ankündigung. „Komm schon. Du verdienst gut und wir haben gerade ein Haus gekauft“, sagte sie. Also ging ich ins Büro. Wir brauchten das Geld. Was sollte ich sonst auch machen?

Etwa drei Jahre zuvor hatte ich bei einer schwäbischen Krankenkasse eine Festanstellung angenommen. Als Sportlehrer organisierte ich mit meinen Kollegen Gesundheitsangebote für die Mitglieder. Rückenschulkurse gehörten dazu. Der Job machte mir Spaß. Ich verdiente 2.500 Mark brutto im Monat.

Gleiches Gehalt, neue Tätigkeit

Nach zwei Jahren wurde das Gesundheitsangebot ersatzlos gestrichen.  Meinen Kollegen und mir wurde eine neue Tätigkeit angeboten. Für das gleiche Gehalt sollten wir nun als Betriebsberater arbeiten. Das bedeutete vor allem: Mitglieder von anderen Krankenkassen abwerben. Das war überhaupt nicht mein Gebiet. Trotzdem nahm ich das Angebot an. Ich brauchte das Geld und ich mochte Herausforderungen. Ich gab mir Mühe und versuchte meine Ergebnisse zu verbessern. Im Vergleich zu Gesundheitsberatern aus anderen Städten, da bin ich mir heute rückblickend sicher, habe ich sogar relativ viele Mitglieder geworben. Es half nur nichts. Für meinen Chef waren es immer zu wenig geworbene Mitglieder. Zudem hatte er ein cholerisches Temperament.

Jeden Abend brüllte er mich an: „Wo sind die Aufnahmeanträge? Haben Sie den ganzen Tag nur geschlafen?“. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob ich gerade im Gespräch mit Kunden war. Er schrie mich einfach an. Abend für Abend. Vielleicht war das seine Vorstellung von Mitarbeiter-Motivation. Mich frustrierte sie nur. Aufgemuckt habe ich nie. Ich war angepasst. Dementsprechend lauteten meine Antworten stets: „Sie haben Recht. Ich gebe mir Mühe. Es wird nicht wieder vorkommen“.

Im Urlaub ins Büro

Ich wurde immer genervter. Umso dankbarer war ich für jeden Urlaubstag, den ich nehmen konnte. Gleichzeitig wollte ich meinen Job aber auch bestmöglich machen. Eine wichtige Terminsache musste erledigt werden. Vor dem Urlaub war ich nicht mehr dazugekommen. Ich entschied mich, während meines Urlaubs ins Büro zu gehen und 300 Briefe auszudrucken, einzutüten und für den Versand fertig zu machen.

Ich war fast fertig, als die Tür aufging und mein Chef ins Büro kam. In der Hand hielt er einen meiner Briefe. Er deutete darauf. „Da ist ein Schreibfehler“, sagte er.  In einem Wort stand statt eines „e“ ein „a“. Ich hatte mich vertippt. „Nochmal machen!“, schrie mein Chef.

In diesem Moment verspürte ich eine unglaubliche Wut. Ich stand auf und sagte zu meinem Chef: „Du kannst mich mal. Das ist kein Spaß.“ Ich nahm meine Jacke, öffnete die Büro-Tür, holte stark aus und knallte sie hinter mir zu. An meinen Arbeitsplatz bei der Krankenkasse kam ich nie wieder zurück.

Noch am gleichen Abend klingelte das Telefon. Arbeitskollegen waren dran. „Bist du wahnsinnig? Komm zurück, das kannst du doch nicht machen.“ Meine Antwort fiel knapp aus: „Doch, das kann ich machen.“ Ich kündigte.

Von Null auf Hundert

Ich hatte keinen Job und keine Einnahmen, aber meine Wut gab mir eine unglaubliche Energie. 2500 Mark hatte ich brutto bei der Krankenkasse verdient. Um meinen bisherigen Lebensstil fortführen und die monatlichen Raten fürs neu gekaufte Haus bezahlen zu können, benötigte ich mindestens den gleichen Betrag. Ich setzte mir 3000 Mark Monatsverdienst als Ziel. Ich überlegte mir, wie viele Stunden ich dafür im Monat arbeiten wollte. Ich kalkulierte alles durch. Dann setzte ich mich hin und gestaltete ein DIN A4-Plakat. Als ehemaliger Leistungsschwimmer und Sportlehrer entschied ich mich dafür, Kinder-Schwimmkurse anzubieten.

Auf das Plakat schrieb ich, dass ich Kindern das Schwimmen innerhalb von einer Woche beibringe. Ich hatte keine Ahnung, ob das überhaupt möglich war. Aber ich wollte etwas Besonderes anbieten. In Konkurrenz zu 12-Wochen-Kinderschwimmkursen zu gehen, die damals für 40 Mark angeboten wurden, machte keinen Sinn.

Mehr Verdienst als in der Festanstellung

Ich hängte das Plakat im Kindergarten meiner Töchter auf. Es gab acht Anmeldungen. Innerhalb von einer Woche brachte ich fünf- und sechsjährigen Jungen und Mädchen das Schwimmen bei. Die Methodik meines Kurses war alles andere als ausgefeilt. Aber es funktionierte. Mein Erfolg sprach sich herum. Es kamen weitere Kurse zustande. Zusätzlich warb ich in anderen Kindergärten. Ich verfeinerte die Methoden meines Kurses. Ich hatte eine unglaubliche Energie, die durch meine Wut über den gekündigten Job befeuert wurde. Um mich finanzieren zu können, benötigte ich bei vier Wochen im Monat mit jeweils sechs angesetzten Arbeitstagen zwei bis drei Kinderschwimmkurse pro Tag. Dafür ackerte ich. Und ich schaffte es.

Innerhalb des ersten Monats verdiente ich den gleichen Betrag mit Kinderschwimmkursen wie in meiner Festanstellung, im zweiten Monat erreichte ich die 3000 Mark und hatte damit ein höheres Einkommen als bei der Krankenkasse.

Im ersten Monat war ich beim Arbeitsamt. Ich hätte die Möglichkeit auf Überbrückungsgeld gehabt. Die Mitarbeiterin holte alle möglichen Formulare für den Antrag hervor. Sie sagte mir, dass ich am Donnerstagnachmittag noch einmal vorbeischauen sollte. Doch da hatte ich meinen Kinderschwimmkurs. Ich bin nie wieder ins Arbeitsamt gegangen.

Fazit und Anregung

Liebe Leserin und lieber Leser,

jetzt kennst du den Beginn meiner Selbstständigkeit. Zwei Dinge habe ich aus meiner persönlichen Erfahrung gelernt. Daran orientiert sich auch mein Ansatz als Existenzgründer-Coach.

1. Mir hat meine Wut über die gekündigte Festanstellung eine unglaubliche Energie gegeben, um das vermeintlich Unmögliche zu schaffen.

2. Die Basis jeder Selbstständigkeit sind die Einnahmen. Deshalb stehen sie in meinem Ansatz „3000 plus“ an oberster Stelle. Ohne Geld funktioniert keine Selbstständigkeit. Das mag banal klingen. Ich habe jedoch schon viele Leute erlebt, die sich selbstständig gemacht haben, ohne davor ihren finanziellen Bedarf zu ermitteln. Um Kundschaft anzulocken, boten sie ihre Dienstleistungen und Produkte zu niedrigen Preisen an, die eine dauerhaft erfolgreiche Existenz einfach unmöglich machten.

Deshalb wären meine heutigen Anregungen für dich:

1. Überlege dir bis zur nächsten Woche, welche Gefühle und Umstände dich motivieren würden, um in deiner Selbstständigkeit volle Power zu geben? Was könnte dich befeuern?

2. Überlege dir anschließend, wie viel du mit deiner selbstständigen Tätigkeit verdienen möchtest? Wie viele Tage in der Woche und Stunden am Tag möchtest du arbeiten? Wie viel Urlaub möchtest du nehmen? Mit welchen Krankzeiten rechnest du? Nimm alles in deine Kalkulation auf und ermittle deinen Stundenverdienst und Monatsverdienst.

Ein Tipp: Wenn du aktuell in einer Festanstellung arbeitest und das Gleiche wie dort verdienen möchtest, dann musst du den doppelten Betrag deines Netto-Verdienstes in der Selbstständigkeit verdienen. Wenn du beispielsweise jeden Monat 1500 Euro aufs Konto bekommst, benötigst du mindestens 3.000 Euro Brutto-Einnahmen.

Du hast noch keine Ahnung, was du überhaupt in deiner Selbstständigkeit machen sollst? Dann schau doch einfach am kommenden Sonntag, 30. April, wieder hier im Blog vorbei. Ich werde dir zeigen, wie du Ideen entwickelst, die zu deinen Talenten passen und wie du testen kannst, ob für deine Idee überhaupt eine Nachfrage besteht.

Bis dahin wünsche ich dir eine tolle Zeit!

Weitere Erfahrungen aus meinem persönlichen und beruflichen Werdegang kannst du in meinem Buch „Trotz Erziehung erfolgreich!“ nachlesen (hier).

Welche persönlichen Neigungen und Werte du besitzt, kannst du mit meinen Werte-Cards herausfinden (hier).

Viele Grüße
Volker