Wie du dich in 20 Minuten auf das Wesentliche konzentrierst

Liebe Leserin und lieber Leser,

das Thermometer nähert sich langsam der 30-Grad-Marke. Vor deinem Fenster herrscht strahlender Sonnenschein. Es ist das ideale Bade-Wetter. Du erinnerst dich an den Biergarten-Besuch mit Freunden im vergangenen Jahr. An die ausgelassene Stimmung, die kühlen Getränke und das leckere Essen. Das Surren deines Computers holt dich zurück in die Realität. Du sitzt in deinem Arbeitszimmer und versuchst dich auf deine Geschäftsidee zu konzentrieren. Dabei wärst du viel lieber an einem anderen Ort, zu dem deine Gedanken immer wieder abschweifen. Konzentration ist eine besondere Fähigkeit, um Aufgaben zu erledigen und Ziele zu erreichen. Konzentration ist wichtig. Trotzdem wird sie nirgends gelehrt. Weder in der Schule, noch am Arbeitsplatz. Jeder kann sich unter Konzentration etwas vorstellen. Mehr oder weniger. Der Duden definiert Konzentration als „hohen Grad der Aufmerksamkeit und der geistigen Anspannung, die auf eine bestimmte Tätigkeit gerichtet ist“. Das Online-Lexikon Wikipedia bezeichnet es als „willentliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit“. Doch wie verbessert man seine Konzentration?

20 Minuten Konzentration

Die meisten Tipps beschränken sich auf Teilaspekte. Eine gesunde Ernährung ist wichtig, eine angenehme Arbeitsatmosphäre, mehr Bewegung, sich kleine Belohnungen zwischendurch gönnen und die schwierigsten Aufgaben zuerst erledigen, da die Konzentration im Tagesverlauf nachlässt. Es gibt Untersuchungen, dass die menschliche Konzentration bereits nach 20 Minuten nachlässt. Das ist nicht gerade viel Zeit. Speziell, wenn vor dem Fenster auch noch Biergarten und Schwimmbad locken.

In meinem vierten Blog-Beitrag möchte ich dir heute einige Tipps geben, wie du dich bei deiner Existenzgründung auf das Wesentliche konzentrieren kannst und deine Konzentration auf spielerische Weise steigerst. Viel Spaß beim Lesen!

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Die richtige Dosis Konzentration

„Du musst dich mehr konzentrieren!“, „Wie lange dauert das noch, Sie sollten sich mehr auf Ihre Arbeit konzentrieren.“ Jeder von uns hat solche Sprüche mit Sicherheit schon einmal gehört. Von den Eltern, von Lehrern oder vom Chef. Konzentration scheint etwas Unangenehmes zu sein. Keiner sagt einem, wie sie funktioniert, aber jeder fordert sie ein. Es scheint eine Fähigkeit zu sein, zu der man sich willentlich zwingen muss. Etwas, das schnell nach Abwechslung verlangt. Kurz die Emails abrufen, nachschauen, was es Neues auf den Social Media-Kanäle gibt oder einen Kaffee holen. Die Anzahl der Ablenkungen ist umfangreich und verlockend. Dabei kann Konzentration – richtig dosiert – durchaus Spaß machen.

Konzentration durchs Weglassen

Konzentration ist meiner Meinung nach nicht nur die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit gezielt auf etwas zu richten, sondern sie lässt sich bereits vorab durch das Weglassen von Dingen steigern. Als Existenzgründer wirst du mit zahlreichen Bereichen konfrontiert. Je nach Umfang deiner Tätigkeit gehören dazu kaufmännische Betriebsführung, Buchführung, Kalkulation, Schriftverkehr, Steuern, rechtliche Belange, Kundenakquise, Vertrieb, Marketing sowie Produktentwicklung und Produktherstellung. Es ist ein Berg an Herausforderungen und Aufgaben. In einigen der genannten Bereiche wirst du tolle Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen, in anderen nicht. Als dein eigener Chef hast du mehr Entscheidungsmöglichkeiten, du trägst nun allerdings auch die gesamte Verantwortung.

14 Stunden pro Tag?

Speziell Einzelgründer tendieren dazu, alle Aufgaben selbst erledigen zu wollen. Sei es aus Kostengründen oder aus einem falsch verstandenen Ehrgeiz heraus. Was bringt es dir allerdings, wenn du alle notwendigen Aufgaben selbst erledigst, 12 bis 14 Stunden pro Tag rackerst, am Ende aber kaum noch zu deiner eigentlichen Arbeit kommst, die dir Spaß macht, deinen Werten entspricht und dir Einnahmen generieren soll?

Auf jeden Fall keine Freude. Bei einem 12 bis 14 Stunden-Tag lässt deine Konzentration nach, du machst Fehler und dein Körper kann sich bei fortwährender Belastung auch nicht mehr richtig erholen. Zudem wird vermutlich auch deine Motivation sinken, besonders wenn erhoffte Einnahmen ausbleiben.

Bevor du dich also entschließt, alle wichtigen Bereiche deiner Existenzgründung selbst zu stemmen, solltest du ermitteln, wie gut du in den unterschiedlichen Bereichen bist. Dafür ist vor allem die Fähigkeit zur Selbstkritik erforderlich.

Plus und Minus

1. Notiere auf einen Zettel alle relevanten Bereiche deiner Existenzgründung, bspw. Buchführung, Marketing, Steuern etc. Schreibe nun neben jedem Bereich deine Kenntnisse und Fähigkeiten unter einem Pluszeichen auf sowie unter einem Minuszeichen alle deine nicht vorhandenen Fähigkeiten.

Auf diese Weise kannst du dir einen ersten Überblick über deine Fähigkeiten im jeweiligen Bereich verschaffen.

Spaßfaktor – von grauenvoll bis orgiastisch

2. Beurteile nun jeden Bereich mit einem Spaßfaktor von 1 bis maximal 10. Das bedeutet: Schreibe neben den jeweiligen Bereich, wie viel Spaß es dir machen würde, dir die fehlenden Fähigkeiten und Kenntnisse darin anzueignen. Die Zahl 1 steht für „grauenvoll“, die Zahl 10 für ein nahezu „orgiastisches Erlebnis“.

Der Konzentrations-Praxis-Test mit Stoppuhr

3. Bestimme nun die Bereiche, in denen du einige Kenntnisse besitzt und deren Erweiterung dir Spaß machen würde. Prinzipiell kannst du natürlich auch einen Bereich wählen, in dem du über gar keine Kenntnisse verfügst, aber von dem du annimmst, dass er dir Spaß macht. Überlege dir nun eine relevante Aufgabe, die du sofort in diesem Bereich bearbeiten kannst. Zum Beispiel: Du willst deine Marketing-Fähigkeiten verbessern und ein Social Media-Konzept erarbeiten.

Darin könnten folgende Fragen beantwortet werden: Welche Kanäle möchte ich nutzen, wie sollen meine Botschaften lauten, wie oft möchte ich etwas posten, wie oft möchte ich am Tag meine Social Media-Kanäle überprüfen, wozu möchte ich meine Social Media-Kanäle einsetzen, bspw. zum Verkauf oder zum Markenaufbau oder zu beidem, etc.?

4. Nimm eine Stoppuhr, einen Küchenwecker oder dein Smartphone. Stelle einen Zeitraum von 20 Minuten ein und aktiviere die Zeit. Arbeite 20 Minuten konzentriert an deiner Aufgabe. Schreibe am Ende der 20 Minuten auf, wie sich die Arbeit für dich angefühlt hat, ob es dir leicht oder schwer gefallen ist, dich zu konzentrieren, ob es dir Spaß gemacht hat, und ob du dir vorstellen könntest, eine solche Tätigkeit täglich etwa 1,5 Stunden auszuführen.

Auf diese Weise kannst du alle Bereiche, die für dich in Frage kommen, durchgehen und schon einmal aussortieren oder in deine engere Tätigkeitsauswahl aufnehmen. Sollte dir übrigens keine konkrete Aufgabe zu einem Bereich einfallen, die du 20 Minuten lang bearbeitest, kannst du natürlich auch einfach anfangen, dich in die entsprechende Tätigkeit einzulesen oder dir ein Video anschauen oder dir notieren welche Quellen du zum Wissenserwerb nutzen möchtest.

Der finanzielle Aspekt

5. Du hast nun alle Tätigkeiten bestimmt, die dir Spaß machen und in denen du dein Wissen ausbauen möchtest. Überlege dir nun, wie viel Zeit du darin pro Tag investieren möchtest. Und überlege dir gleichzeitig, wie viel dich dieser Zeitaufwand pro Stunde kosten wird. Schließlich kannst du während deines Wissens-Erwerbs nicht nebenher an deiner Haupttätigkeit arbeiten, die deinen Werten entspricht und Einnahmen generiert.

6. Überlege dir nun, ob sich die Zeit, die du in deinen Wissens-Erwerb investierst, rentiert. Frage dich selbst: Was kann ich in einem Jahr mit dem Wissen anfangen und wie aktuell ist es dann? Was in fünf Jahren und was in zehn Jahren? Und wie viel Spaß wird es dann machen und wie viel Zeit benötigen?

7. Du hast dich für Tätigkeiten entschieden, die du selbst bearbeiten willst. Recherchiere nun, was dich das Auslagern der Tätigkeiten pro Stunde kosten wird, die du nicht selbst übernehmen willst, bspw. Steuerberater, Marketing etc. Hol dir einige Angebote ein. Bestimme wie viele Stunden du den externen Anbieter pro Monat einsetzen willst. Schlage sicherheitshalber einen Puffer von 15 Prozent auf die Stundenanzahl auf. Addiere nun die benötigten Beträge pro Monat zu deinen angepeilten monatlichen Einnahmen hinzu und ermittle deinen neuen Stundenverdienst daraus.

Auf diese Weise bestimmst du einen realistischen Stundensatz, der dir den Einsatz externer Anbieter und die Konzentration auf all jene Aufgaben ermöglicht, die dir Spaß machen und Geld bringen.

Wo finde ich entsprechende Anbieter?

Ich nutze zum Beispiel gerne das Komponentenportal von Professor Faltin. Aber natürlich gibt es viele unterschiedliche Anbieter. Ob im Telefonbuch, in Branchenverzeichnisse oder über Online-Suchen. Auch in Verbraucherzentralen oder über Fachzeitschriften kannst du dich informieren.

Zum Abschluss: Ich hoffe, dass ich dir aufzeigen konnte, dass Konzentration nicht nur bei der Arbeit, sondern schon im Vorfeld wichtig ist. Den Einsatz einer Stoppuhr mit einer Zeit von jeweils 20 Minuten kann ich dir nur empfehlen. Auf diese Weise kannst du leicht überprüfen, wie konzentriert du gearbeitet hast, wie viel Spaß es dir gemacht hat, wie viel Zeit du bislang in eine Aufgabe investiert hast und welcher Zeitaufwand noch vor dir liegt.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren. Bis zum nächsten Mal. Dann verrate ich dir, wie du mit schwierigen Situationen als Unternehmer, vor allem mit deinen Ängsten, umgehen kannst.

Viele Grüße
Volker